Studien
Valide Zahlen zur Bestimmung der Größenordnung von Analphabetismus sind nicht einfach zu ermitteln. Dies gilt insbesondere für Länder mit Schulpflicht, in denen Analphabetismus weitgehend funktionaler Analphabetismus ist.
Wenn die Zahl der Analphabeten ermittelt werden soll, muss zunächst bestimmt werden, wer zu dieser Gruppe zu rechnen ist. Gerade funktionaler Analphabetismus ist jedoch nicht leicht zu definieren. Eine treffende Definition setzt bereits fundiertes Wissen über Hintergründe, Erscheinungsformen und Folgen von funktionalem Analphabetismus voraus.
Statistische Erhebungen zum funktionalen Analphabetismus stellen die Sozialforschung aber auch noch aus einem anderen Grund vor Probleme: Betroffene versuchen zumeist, unerkannt zu bleiben, und sind daher nicht ohne weiteres bereit, an Befragungen teilzunehmen.
Jedoch sind Zahlen zur Bestimmung der Anzahl der funktionalen Analphabeten sowie der Ursachen, Ausprägungen und Auswirkungen mangelnder Lese- und Schreibkompetenz für die Bildungsplanung unerlässlich. Im Rahmen des Förderschwerpunkts Alphabetisierung und Grundbildung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung werden derzeit Erhebungen durchgeführt, von denen solche grundlegenden Informationen über Analphabetismus in Deutschland zu erwarten sind.
Bei ihren aktuellen Erhebungen in Deutschland können die Forscherinnen und Forscher auf eine Reihe von nationalen und internationalen Studien aus den letzten Jahrzehnten zurückgreifen, darunter folgende:
Global Monitoring Report
Seit 1991 veröffentlicht die UNESCO alle zwei Jahre einen Weltbildungsbericht mit aktuellen Informationen über die Entwicklung des Bildungswesens im internationalen Vergleich. Der Weltbildungsbericht bietet eine konzentrierte Übersicht von Daten und Fakten zu Bildungsmöglichkeiten und Bildungsgrad nach Altersgruppen und Geschlecht, Alphabetisierung und Schulbesuch, Auslandsstudien, höherer Bildung und Forschung, Bildungsausgaben und Finanzierung. Diese „Weltindikatoren für Bildung“ werden in den Kontext des jeweiligen Landes oder der Region gestellt und ermöglichen vielfältige Vergleiche.
2006 war der Schwerpunkt des Weltbildungsberichtes „EFA Global Monitoring Report 2006: Education for All“ Alphabetisierung. Der Bericht gibt einen Zwischenstand nach dem Weltbildungsforum in Dakar 2000 wieder, bei dem sich 164 Länder verpflichtet haben, sechs Bildungsziele bis zum Jahr 2015 zu erreichen.
Die deutschsprachige Kurzzusammenfassung steht Ihnen hier zur Verfügung.
Die originale Langfassung (englisch, französisch und spanisch) finden Sie unter http://www.unesco.org/en/efareport/reports/2006-literacy/
IALS
1994 führte die OECD den International Adult Literacy Survey (IALS) durch. An dieser internationalen Vergleichsstudie zur Lesekompetenz Erwachsener nahmen neun Länder teil: Kanada, Frankreich, Deutschland, Irland, Polen, Schweden, die Schweiz, Niederlanden und USA. Die Ergebnisse wurden unter dem Titel „Literacy, Economy, and Society: Results of the First International Adult Literacy Survey“ veröffentlicht.
Fünf weitere Länder (Großbritannien, Australien, der flämische Teil Belgiens, Neuseeland und Nordirland) wandten die im Rahmen von IALS entwickelten Messinstrumente auf vorhandene Datensätze an. Die Ergebnisse wurden unter dem Titel „Literacy Skills for the Knowledge Society“ veröffentlicht.
Den Bericht finden Sie unter http://www.oecd.org/dataoecd/24/21/39437980.pdf
Moser Report
„Education costs money, but then so does ignorance.“ Sir Claus Moser
Großbritannien richtete als Reaktion auf die Ergebnisse von IALS eine Kommission unter der Leitung von Sir Claus Moser ein. Diese Kommission kam zu dem Ergebnis, dass
- bis zu 7 Millionen Erwachsene in England signifikante Probleme mit dem Lesen und Schreiben (literacy) haben;
- 40% der Bevölkerung nur über sehr geringe Kompetenzen im Rechnen (numeracy) verfügen;
- nur 250.000 von den genannten 7 Million Erwachsenen zum Berichtszeitpunkt an Bildungsmaßnahmen teilnahmen.
Der sogen. Moser-Report stellte 21 Empfehlungen zusammen, u. a.:
- Einrichtung eines nationalen Programms, Entwicklung einer nationalen Strategie (National Basic Skills Strategy for Adults)
- Formulierung nationaler Ziele für Grundbildung
- Einrichtung einer nationalen Kampagne
- Einrichtung einer nationalen Koordinationsstelle im Bildungsministerium
- Professionalisierung und Weiterbildung von Kursleitern
- Einrichtung und Durchführung von wissenschaftlicher Forschung zur Kontrolle und Weiterentwicklung der Aktivitäten.
Den Bericht der Kommission finden Sie unter www.lifelonglearning.co.uk/mosergroup
LuTA-Studie
Im Rahmen des Projekts APOLL wurde 2003 eine Erhebung zur Lebenssituation und Technikausstattung (LUTa) erwachsener funktionaler Analphabeten durchgeführt. Befragt wurden 1015 Teilnehmer an Alphabetisierungskursen an 29 VHS in 13 Bundesländern.

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