Sozialintegrative Alphabetisierung
Sozialintegrative Alphabetisierung hat zum Ziel, funktionalen Analphabeten eine höhere Chance auf gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. Die dafür erforderlichen Leistungen umfassen weit mehr als die Vermittlung von Lesen und Schreiben:
An geeigneter Stelle müssen Betroffene sensibel auf ihre Schwierigkeiten angesprochen werden. Ihnen müssen Chancen und Wege aufgezeigt werden, Lesen und Schreiben zu lernen. Auch muss Mut gemacht werden, sich auf diese Angebote einzulassen. Notwendig sind häufig auch zusätzliche Bildungsinhalte, zum Beispiel bezüglich Mediennutzung, Rechnen oder berufsrelevanter Kompetenzen. Mitunter erfordern Schwierigkeiten wie Schulden oder Arbeitslosigkeit zusätzliche Unterstützungsleistungen. Zudem muss die Öffentlichkeit über das Thema informiert werden, um zur Entstigmatisierung beizutragen.
Durch eine bundesweit repräsentative Untersuchung an Volkshochschulen wurde ermittelt, inwieweit dort sozialintegrative Arbeit im Bereich der Alphabetisierung bereits erkannt und umgesetzt wird: Insgesamt sind bei den Volkshochschulen gute Ansätze sozialintegrativer Alphabetisierungsarbeit zu beobachten. Weitere Informationen
Lernorte
Spricht man von Alphabetisierung/Grundbildung, so denkt man in erster Linie an die Volkshochschule als Hauptanbieter von Alphabetisierungskursen. Dieser klassische Lernort eignet sich jedoch nicht für alle Menschen, die Probleme mit dem Lesen und Schreiben haben. Für viele ist der Begriff Schule negativ besetzt und die Schwelle zu hoch. Andere Lerner hingegen schätzen die Anonymität einer Einrichtung, die auch Chinesisch- oder Yogakurse anbietet. Oder sie sind der Meinung, „es macht was her“, in der VHS einen Kurs zu besuchen. Lernerinnen und Lerner aus den sechs EQUALS-Modellstandorten wünschen sich neben Lernangeboten in der Volkshochschule auch Angebote außerhalb der VHS – und zwar an Orten, die sie im Alltag ohnehin aufsuchen. Weiterhin sollten neben den VHS-Kursen, die in der Regel ein bis zwei Mal pro Woche und meist am Abend durchgeführt werden, andere Formen des Lernens angeboten werden. So werden auch die Menschen erreicht, die zu einem klassischen Kurs (noch) nicht bereit sind. Im Projekt EQUALS wurden neue Orte zum Lernen erschlossen, zum Beispiel Bibliotheken, ein Computer-Kurs in einer Grundschule und ein Lerncafe. Weitere Informationen
Lernerforen
In lokalen Lernerforen wird den Lernerinnen und Lernern die Möglichkeit gegeben, sich außerhalb des Kurses auszutauschen und gemeinsam zu überlegen, was sie tun können, damit Anderen mit ähnlichen Problemen der Schritt zum Lernen leichter fällt, und welche Möglichkeiten der Mitwirkung es geben könnte.
Neben dem Kennenlernen der Teilnehmer untereinander kann u.a. ein Austausch zu den folgenden Themen stattfinden:
-Wie kann man andere Menschen, die Probleme mit dem Lesen und Schreiben haben, dazu bringen, auch in Kursen zu lernen?
- Welche Institutionen müssten informiert werden, dass es Menschen mit Lese-/Schreibproblemen gibt? Wie müssten sie reagieren? Wie sollten sie das Problem ansprechen?
- Wie könnte man auf Lese- und Schreibkurse an öffentlichen Einrichtungen hinweisen? Ist unser Flyer verständlich?
- Wo könnte man noch Kurse durchführen, damit auch Menschen lernen, die nicht in die VHS wollen? Welche Einrichtungen, Orte würden sich anbieten?
In einem überregionalen Lernerforum wurde ein Austausch von Lernenden aus verschiedenen Städten ermöglicht. Außerdem wurden Materialien zur Teilnehmergewinnung in der Alphabetisierung/Grundbildung bewertet. Weitere Informationen dazu finden Sie im Menüpunkt Teilnehmergewinnung/Materialien.

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