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„Wer rechnen kann, ist klar im Vorteil“

Geschäftsführer des Bochumer Jobcenters nennt Schlüsselqualifikationen im Strukturwandel

Das DVV-Rahmencurriculum Rechnen erleichtert professionellen Unterricht mit Erwachsenen, die nicht oder nur schlecht rechnen können. In einem kurzen Film wollen wir zeigen, warum Rechenkenntnisse für junge Leute zukunftsentscheidend sein können. Schauplatz ist Bochum. Einige unserer Interviewpartner*innen stellen wir Ihnen im Werkstattblick vor. Mehr demnächst in unserem Infofilm.

Dr. Angela Rustemeyer, veröffentlicht am 2.3.2020

Frank Böttcher, Leiter des Jobcenters Bochum

Seit 2016 hat Frank Böttcher als Leiter des Jobcenters den Bochumer Arbeitsmarkt fest im Blick. Was er sieht, stimmt ihn zuversichtlich: Mit 8,5 Prozent ist die Arbeitslosenquote zwar immer noch hoch, für Bochum aber auf einem Rekordtief. 2019 waren über 3.600 Menschen mehr in Arbeit als 2018. Bochum, so sieht es aus, schafft den Strukturwandel. Schaffen ihn alle Bochumer*innen?
 
Die ehemalige Bergbaustadt entwickelt sich wirtschaftlich schnell Richtung Zukunft. Genau das wird jedoch für gering qualifizierte Arbeitskräfte zum Problem. „Bochum hat einen ausgesprochenen Fachkräftearbeitsmarkt“, erklärt Böttcher im Interview mit dem Rahmencurriculum-Team. „Die Menschen, die beschäftigt sind, bewegen sich fast alle mindestens auf Fachkräfteniveau. Lediglich fünfzehn Prozent der Bochumer Beschäftigten üben Hilfstätigkeiten aus. Bei den Arbeitslosen ist es genau andersherum: Sechzig Prozent der Betroffenen haben keinen beruflichen Abschluss.“
 
Um einen Schul- oder Berufsabschluss zu erlangen, sind Schlüsselqualifikationen notwendig. Rechenkenntnisse gehören, so Böttcher, unbedingt dazu. Das gilt aber auch für Ungelernte, die auf dem immer enger werdenden Arbeitsmarkt für Hilfskräfte einen Job suchen:

Wer rechnen kann, ist klar im Vorteil.

Frank Böttcher, Leiter des Jobcenters Bochum

Nicht jede*r bringt diese Voraussetzung mit. Das weiß der Chef des Jobcenters nicht nur theoretisch: Er hat selbst Arbeitslose beraten. Dabei hat er erlebt, wie ein Kandidat für einen Ausbildungsplatz im Gartenbau im Bewerbungsgespräch an einer einfachen Additionsaufgabe scheiterte. „Er sollte ausrechnen, wie viele Meter Zaun zum Einzäunen eines zehn Meter langen und fünf Meter breiten Grundstücks gebraucht werden.“
 
Wer nicht rechnen kann, muss die Möglichkeit bekommen, es zu lernen, sagt Böttcher. Er setzt auf die Bochumer Bildungseinrichtungen, insbesondere die Volkshochschule: „Wir arbeiten im Netzwerk. Wenn jemand nicht ausreichend rechnen kann, thematisieren wir das offen und empfehlen ihm oder ihr, einen Kurs zu besuchen.“


Autorin

Dr. Angela Rustemeyer arbeitet beim Deutschen Volkshochschul-Verband als Projektleiterin im Projekt Rahmencurriculum und abschlussorientierte Grundbildung (Transfer).

Erläuterungen und Hinweise

Bildnachweise

  • Bildungsfilm (www.bildungsfilm.de)
  • Fotoatelier Herff

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