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Individuelle Lernwege fördern: Der vhs-Lerntreff in Aurich

Im vhs-Lerntreff in Aurich stehen offene Lernräume, mobile Angebote und eine verlässliche Zusammenarbeit mit Partnern im Vordergrund. Im Interview verrät uns Daphne Mariebelle Eich, wie aufsuchende Bildungsarbeit im ländlichen Raum gelingen kann.

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Anne Deny, veröffentlicht am 23.02.2026

Interview mit Daphne Mariebelle Eich

Daphne Mariebelle Eich ist Abteilungsleiterin für Gesellschaft, Kultur, Berufliche Bildung, Grundbildung, Sprachen, Integration an der Kreisvolkshochschule Aurich-Norden am Standort Aurich und ist für die Koordination des vhs-Lerntreffs zuständig. 

Ab April 2023 wurden Sie im Rahmen des Projekts vhs-Lerntreff gefördert. Was war Ihre Motivation, einen offenen Lernort einzurichten?

Unsere Motivation war es, Menschen mit Unterstützungsbedarf einen Ort zu bieten, an dem Lernen ohne Hürden möglich ist. Viele Erwachsene scheuen klassische Kursstrukturen. Ein offener Lernraum lädt hingegen zum Ausprobieren ein - ohne Anmeldung, ohne Druck, dafür mit viel Verständnis. Wir wollten einen geschützten Rahmen schaffen, in dem Menschen spüren: Hier werde ich gesehen, hier darf ich Fragen stellen, und hier kann ich in meinem eigenen Tempo lernen.

Ende Mai 2024 lief die Anschubförderung aus. Wie sind Sie vorgegangen, um das Angebot weiterführen zu können?

Uns war früh klar, dass wir dieses wertvolle Angebot erhalten möchten. Deshalb haben wir aktiv das Gespräch mit dem Landkreis gesucht und parallel gezielt nach passenden Fördermitteln recherchiert, um weitere Finanzierungsmöglichkeiten zu erschließen. Wir haben aufgezeigt, wie groß der Bedarf ist und welche Wirkung der vhs-Lerntreff auf die Teilnehmenden hat. Durch dieses Zusammenspiel aus Überzeugungsarbeit, Vertrauen, starker Vernetzung und konsequenter Fördermittelakquise ist es gelungen, das Angebot nachhaltig weiterzuführen.

Wir haben aufgezeigt, wie groß der Bedarf ist und welche Wirkung der vhs-Lerntreff auf die Teilnehmenden hat. Durch dieses Zusammenspiel aus Überzeugungsarbeit, Vertrauen, starker Vernetzung und konsequenter Fördermittelakquise ist es gelungen, das Angebot nachhaltig weiterzuführen.

Daphne Mariebelle Eich

Aktuell bieten Sie an insgesamt drei Standorten rund um Aurich und Norden offene vhs-Lerntreffs an. Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit den Kooperationspartnern?

Die Zusammenarbeit ist geprägt von Verlässlichkeit, Vertrauen und einem gemeinsamen Ziel: Menschen in herausfordernden Lebenssituationen zu stärken. Unsere Partner kennen die Menschen vor Ort sehr gut und helfen uns, bedarfsgerecht zu planen. Der Austausch ist eng, kollegial und unkompliziert und genau das macht die Umsetzung so erfolgreich.

Ein Angebot finde ich besonders spannend, nämlich das Lesefahrrad. Wie sind Sie auf diese Idee gekommen und welche Erfahrungen haben Sie bisher damit gemacht?

Die Idee entstand aus dem Wunsch heraus, Bildung sichtbar zu machen und Menschen auf neue, spielerische Weise zu erreichen. Mit dem Lesefahrrad können wir flexibel dorthin fahren, wo Menschen sind, sei es zu Festen, in Wohngebieten, zu Kooperationspartnern oder zu Familienangeboten. Es schafft sofort Aufmerksamkeit und lädt zum Mitmachen ein. Besonders Kinder und Familien reagieren begeistert. Wir erleben viele spontane, berührende Momente, die zeigen, wie wichtig niedrigschwellige Zugänge zum Lesen sind.

In einem so weitläufigen Einzugsgebiet wie dem der Kreisvolkshochschule: Wie gelingt es Ihnen, Menschen mit Grundbildungs- oder Alphabetisierungsbedarf in ländlichen Regionen anzusprechen und zu erreichen?

Mobilität und Präsenz sind entscheidend. Wir gehen bewusst in Orte, die sonst wenig Bildungsangebote haben, und kooperieren dort mit Einrichtungen, die bereits Vertrauen genießen. Kurze Wege und vertraute Umgebungen erleichtern es den Menschen, Unterstützung anzunehmen. Zudem lebt der ländliche Raum von persönlichen Kontakten. Empfehlungen wirken hier besonders stark und helfen uns, Menschen gezielt anzusprechen.

Mobilität und Präsenz sind entscheidend. Wir gehen bewusst in Orte, die sonst wenig Bildungsangebote haben, und kooperieren dort mit Einrichtungen, die bereits Vertrauen genießen.

Daphne Mariebelle Eich

Welche Rolle spielt der vhs-Lerntreff im Angebotsportfolio Ihrer Volkshochschule?

Der vhs-Lerntreff ist für uns ein zentraler Baustein im Bereich Grundbildung und ein wichtiges Bindeglied zu weiterführenden Bildungsangeboten. Er ermöglicht erste Schritte ins Lernen und senkt Schwellen, die ansonsten viele am Einstieg hindern würden. Gleichzeitig zeigt der Lerntreff, wie flexibel und lebensweltorientiert Volkshochschule sein kann.

Worin sehen Sie Erfolge Ihres vhs-Lerntreffs?

Erfolge zeigen sich für mich vor allem in den persönlichen Geschichten. Menschen gewinnen Selbstvertrauen, trauen sich wieder an Schrift und Sprache heran oder wagen den Schritt in weitere Bildungsangebote. Wir erleben, wie kleine Lernerfolge große Veränderungen auslösen können. Auch der Ausbau unserer Kooperationen und die positive Resonanz aus der Region bestätigen uns darin, dass der vhs-Lerntreff wirkt.

Und nun noch ein Blick in die Zukunft: Wie geht es für den vhs-Lerntreff weiter?

Wir möchten die bestehenden Standorte weiter stärken und die Angebote noch flexibler gestalten. Mobile Formate wie das Lesefahrrad wollen wir ausbauen, um Menschen an unterschiedlichen Orten zu erreichen. Gleichzeitig möchten wir den vhs-Lerntreff stärker mit Sprachförderung, Familienbildung und Integrationsangeboten verknüpfen. Unser Ziel bleibt: Lernorte zu schaffen, die Mut machen, Orientierung geben und Menschen auf ihrem Weg begleiten.

Kurzfilm

Der Film zeigt, wie im vhs-Lerntreff in Aurich ein niedrigschwelliger Zugang zu Bildung entsteht und wie Begegnung, Austausch und individuelle Lernwege gefördert werden. 

Video vhs-Lerntreff Aurich
Ein Blick hinter die Kulissen des vhs-Lerntreffs in Aurich.

Autorin

Erläuterungen und Hinweise

Bildnachweise

  • KVHS Aurich-Norden
  • Kreisvolkshochschule Aurich-Norden

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